Samstag, 13. März 2010

Meine erste Wohnung




Ich habe eine Wohnung!
Ich habe eine Wohnung!

Wow

Ein richtiges Zuhause.... noch nicht ganz... im Moment sind es bloss einige Räume mit ungenutzt aussehenden Möbeln. Aber dass wird sich morgen ändern! Denn morgen ziehen wir ein. Ich, Larry und Sasha. Wir haben eine Küche mit Türe und Abzughaube über dem Gasherd. Eine grosse Toilette mit Waschmaschine. Es gibt zwei Räume und eine grosse Stube. Die Böden haben alle Parkettboden und die Wände sind rosa... ausgerechnet rosa...
Ich werde in der Stube wohnen, gleich neben dem Balkon. Und heute haben wir herausgefunden, dass ich darin ein seltsames rotes Licht anmachen kann... merkwürdig...
Ich habe noch kein Bett... aber das ist nicht schlecht, so kann ich eines kaufen, das etwas gemütlicher ist als die üblichen chinesischen Betten.


Wir haben die Wohnung von Freunden übernommen. Das war ein Glücksfall. Für uns... für sie ist es natürlich schade, da sie wieder in ihr Heimatland zurück müssen und ihre Tochter, die an der gleichen Uni chinesisch lernt wie ich, hier zurück bleibt. Darum war es heute auch etwas merkwürdig... sie gingen... erklärten uns noch alles und dann verabschiedeten sie sich und liessen uns in der leeren Wohnung zurück. Es tut mir sehr leid für meine Kollegin. Und doch bin ich froh, das wir die Wohnung bekommen haben, sie ist sooooo gut gelegen. Sehr zentral, aber gleich neben einem Hutongviertel... es gibt nicht mehr viele davon und es sieht aus wie im alten Beijing. Es gibt viele kleine Läden und einen grossen Markt, wo man Gemüse, Mehl, Eier, Milch, Waschmittel und überhaubt alles was man so braucht ganz günstig kaufen kann. Eine Strasse weiter ist die Wanfujing Strasse, Beijings Bahnhofstrasse und auf der anderen Seite ist das Arbeiter Stadion mit allen Clubs und Discotheken. Mit dem Buss sind wir in 20min in meiner Schule.
Ich freue mich schon auf morgen. Und sobald wir uns etwas eingelebt haben, mache ich Fotos und bitte meine Schwester sie hier zu posten.

Donnerstag, 25. Februar 2010

Wohnungssuche

Zuerst: Am nächsten Montag beginnt die Schule wieder, nach mehr als einem Monat süssen Nichtstuens ein seltsames Gefühl.
Ich habe mir ein Fahrrad gekauft. Es ist schwarz, hat ein Klingel aber keine Gänge (nicht einmal drei) und eine Damenstange. Es ist das einfachste Fahrrad der Welt... Aber es hat einen Korb, was sehr nützlich ist.
In Beijing gibt es kaum Hügel, alles ist flach und so macht Radfahren eigentlich richtig Spass. Aber... ich habe noch kein Hornhaut. Alle meine Muskeln rebellieren und mein Hintern sendet "Nicht schon wieder" wenn immer ich auch bloss an eine Radtour denke.
Mit einem Fahrrad ist Beijing kleiner geworden. Bis zur unserer Schule sind es etwa 15 Minuten. Das Taschentragen nach dem Einkaufen ist Geschichte. Und das Wetter ist entlich ablsolut ideal um sich durch den Verkehr zu schlängeln. Das allerdings ist etwas komplizierter, denn Beijing hat da seine eigenen Regeln. Es gibt meistens eine extra Strasse für Fahrräder, die aber auch gerne von Taxifahrern benutzt wird. Da diese Strasse am Rand der Autofahrbahn ist, wird sie immer wieder von Busshaltestellen gekreuzt. Busse haben immer Vortritt, es gilt also die Augen offen zu halten. Und dann gibt es auch noch Gegenverkehr, wobei es keine festgelegten Seiten gibt. Die Kreuzungen überquert man mittels Zebrasteifen und zwar wenn die Fussgänger und, oder, Fahrradfahrer grün haben, oder wenn gerade keine Autos den selben Weg haben. Alles in allem ein prima Training für alle Sinne. Und seltsamer Weise macht es wirklich Spass.
Dank der neu gewonnenen Mobilität haben wir uns jetzt entlich auf Wohnungssuche gemacht. Das gestaltet sich allerdings etwas schwierig. Bis jetzt haben wir fünf Wohnungen gesehen. Eine war passabel, die anderen alles absolute Albträume. Die erste hatte eine Küche die in einem ehemaligen Badzimmer eingerichtet worden war. Alle Schränke waren verzogen, das Fenster so klein das kaum Licht herein kam und der Kühlschrank war in der Vorhalle. Ja, und die Umgebung war ebenfalls nicht gerade freundlich, in dem Haus leben vorallem Männer und schon auf der Treppe begrüsste einem "Mageninhalt".
Die zweite Wohnung war so windzig und dunkel, dass ich mich kaum daran erinnern kann.
Die dritte war bisher die schönste. Sie hat eine grosse Küche und eine Art Esszimmer. Die Schlafzimmer hatten Parkettboden und alles sah freundlich aus. Allerdings ist der Preis hoch und die Wohnung selbst auch, 12 Stockwerk. Sie ist gegen Norden gelegen und im Hinterhof gibt es eine Fabrik, oder so, mit einem riisigen Backsteinkamin.
Bei der nächsten Wohnung bröckelte der Putz von allen Wänden, und statt neu zu streichen, hatte der Besitzer bloss Tücher darüber gestpannt.
Und die bisher letzte Wohnung hatte eine Toilette in der es einem schon nüchtern übel wird. Keine der vier Wände ist gerade. Die Tür so schmal, dass man sich fast seitwärts durchquetschen muss, und an der Dusche fehlt die Brause. Oh, und das Fenster ist so gelegen, dass die Nachbarn einen idealen Blick auf unsere Hintern haben.

Übrigens, Niemand ist auf die Idee gekommen die Wohnung als er auszog zu putzen und die früheren Bewohner haben abgesehen von ihrem Dreck auch alte Bücher, Pflanzen, Schuhe, DVDs und kaputte Stühle hinterlassen. Das ist mein erster Kulturschock hier.
Aber wir geben die Hoffnung noch nicht auf. Irgend ein nettes Domiziel wird sich wohl finden lassen.

Samstag, 30. Januar 2010

Laowai

Das ist das Wort für das, was ich hier in Beijing bin, nämlich eine Ausländerin.

Wenn ich etwas einkaufen will, dann ist es für Laowai oft ein bisschen teurer. Wenn ich durch die Strassen gehe, dann sehen die Menschen mir nach. Im Bus bleibt der Platz neben mir frei, und sehe ich mir eine Touristenattraktion an, dann wollen die Chinesen vom Land oft ein Foto von mir haben.



Immer wieder höre ich auch, wie sie darüber mutmassen, woher ich komme. Russland vielleicht, oder Amerika... die Schweiz ist viel zu klein, darauf hat noch niemand getippt.

Die Chinesen sind freundlich und schon mancher hat mich angesprochen um sein English auszuprobieren und von der grossen Welt zu erfahren.



Ich bin nun also eine Ausländerin... Glücklicherweise sind die meisten Chinesen Ausländern gegenüber positiv eingestellt. Wir sind hier sehr privilegiert. Ich habe auch noch nie einen Chinesen sagen gehört, dass wir Ausländer uns anpassen müssten. Vielmehr wollen alle mehr über unsere Kultur erfahren und versuchen sich uns anzupassen. Mein koreanische Freundin hat gehört, dass wir im Westen das Gefühl hätten Koreaner seien oft wütend und streitbar. Ein Trugschluss, der dadurch entsteht, das ihre Sprache sehr rau ist und sie kaum Mimik zeigen. Nun übt sie sich im lächeln. Die jungen Chinesen gewöhnen sich das Spucken ab und über mit Messer und Gabel zu essen. Sie sagen manchmal Danke, statt ein Kompliment bescheiden zurück zu weisen und sie suchen Körperkontakt. Das hat mich am meisten verwirrt. Da wird einem eingebläut, in Foren und Ratgebern, bloss nicht zu berühren, immer Abstand zu halten. Und dann kommen meine chinesischen Freunde, umarmen mich zur Begrüssung und hängen sich an meinen Arm. Ist das eine Behandlung die nur uns Laowai zukommt? Oder haben die Ratgeber sich einfach getäuscht?



Es ist eine sehr lehrreiche Erfahrung einmal Ausländer zu sein. Oft versuche ich mich von Aussen zu betrachten und ich frage mich: „Wie sehr grenze ich mich ab. Wie sehr passe ich mich an.“

Ich passe mich an in dem ich chinesisch lerne. Ich versuche bescheiden zu sein und weise Komplimente höflich zurück. Ich esse mit Stäbchen und lasse immer etwas vom Essen übrig, zum Zeichen, dass genug da war und ich satt bin. In der Schule bin ich gewissenhafter und versuche alle meine Hausaufgeben pünktlich zu erledigen. Und bald ist Chunjie, das chinesische Neu Jahr, da werde ich auch Süssigkeiten essen und das Schriftzeichen für Glück an meine Türe hängen.

Ich bemühe mich auch, den Chinesen ein möglichst gutes Bild von mir zu vermitteln, denn es ist ja gleichzeitig ein Bild von der Schweiz. So bin ich manchmal sogar höflicher, als ich es zu Hause wäre und biete alten Menschen meinen Platz im Buss an.

Aber ich grenze mich auch ab. Ich habe nicht die Geduld beim Einkaufen von Gemüse jedes Mal zu markten, es ist so schon billig genug. Und ich bewahre Schweizertraditionen. Schon seit Weihnachten sammle ich Zwiebelschalen, um an Ostern Eier zu färben. Ich nehme mir vor zwischen Fasnacht und Ostern keine Schokolade zu essen.

Beim Suchen nach der besten Mitte zwischen Anpassung und Bewahrung kommt mir immer wieder Jin Laoshi in den Sinn. In einer Stunde erklärte sie uns, warum sie gerne ausländische Schüler unterrichtet. „Ich lerne eine andere Kultur kennen und lerne so auch mehr über meine eigene Kultur. So kann ich Fehler erkennen und korrigieren, aber ich sehe auch, was gut ist und bewahrt werden sollte.“



Diese Aussage trifft auch auf mich zu. Und so mische ich oft. Ich bewahre das, was ich an der Schweiz liebe, und füge das hinzu, was an China bewundernswert ist. So kann ich nur gewinnen.

Dienstag, 5. Januar 2010

Der Winter und mein Sushe

Jetzt ist also Winter. Mein erster Winter in Beijing. Er ist kalt, er ist windig und er ist immer sonnig. Jeden Morgen checke ich die Themperatur. Bei 2 bis -2 Grad trage ich ein T-shirt und ein Foulard, bei -4 bis -7 Grad ein Pullover. In unserem Klassenzimmer läuft immer die Klimaanlage, die auch eine Heizung ist und die Luft austrocknet, so dass meine Augen schmerzen. Je nachdem wer die Klimaanlage einstellt ist es schrecklich heiss. Vorallem Illarion aus Russland, der immer friert, verwechselt den Schulraum oft mit einer Sauna. Jin Laoshi die ich je länger ich sie kenne, desto lieber bekomme (auch wenn sie mich noch immer nicht wirklich zu mögen scheint) sorgt jeden Morgen dafür, dass wir auch genug Luft bekommen und lüftet das Zimmer, so dass es schecklich kalt ist. Ich koche meistens in meinem Zimmer, denn es ist einfach zu windig um raus zu gehen. In meinem Zimmer ist es immer schön warm, denn es ist gegen südosten augerichtet und hat herrliche Morgensonne.

Ich liebe das Leben in unserem Sushe. Was ist ein Sushe? Auf englisch heist es „dormitory“ auf Deutsch wohl Studentenwohnheim. Aber ich finde Sushe ist ein sehr passender Begriff. Er schreibt sich so: 宿舍。Das heisst ein Dach über 100 Menschen, denn heisst Mensch und heisst hundert. Dazu kommt noch ein Mensch über Geplauder. Wieder ein und dann ein , dass ist das Zeichen für Zunge und weisst auf alles hin, was mit Sprechen zu tun hat. Wir sind also hundert Menschen unter einem Dach, die alle miteinander plaudern. Natürlich ist dass etwas übertrieben, aber da wir alle alleine hier sind, haben wir schnell Freundschaften geschlossen. Luis aus Kolumbien und Larry sind die Geister ders Sushe, sie klopfen an allen Türen und erschrecken die Schüler. Mein Zimmer ist so etwas wie die Mensa geworden, für 12 Yuan erhalten hier alle eine Europäische Malzeit. Bei Hiroki wird am Wochenende Bier getrunken und bei Aidana Vodka. Wobei bei Aidana eigentlich nicht gertrunken von der russischen Sicht auf dieses Thema.... Jedes Wochenende ein bisschen Alkohol... dass zählt noch nicht einmal als Alkohol. Meinen meine russischen Freunde. Ich selbst brauche dass nicht jedes Wochenende, aber manchmal mache ich mit. Allerdings höre ich auf wenn ich merke, dass ich etwas beschwipst bin.

Witzig am Leben im Sushe sind auch die vielen Charaktere, die sich hier versammelt haben. Da gibt es den Mongolischen Vampir. Er ist erst 15 und meint er könne mit allen flirten. Offiziel geht er allerdings mit der Japanischen Mangaka. Und wer ihren Hals gesehen hat, weiss warum er ein Vampir ist. Aber sie zahlt es ihm auch zurück, so das es zwei interessante Hälse gibt....

Will aus der USA ist einfach der Prototyp von einem Ami und irgendwie traue ich ihm nicht über den Weg. Er ist eng befreundet mit Sara. Sara ist extrem sportverrückt und intellektuell. Dann gibt es Assaga aus Srilanka, er ist Buddhist und Vegetarier wie ich. Ausserdem ist er unglaublich verfressen und etwas naiv. Little Long Linglan ist aus Kassachstan, ihre Familie ist ebenfalls sehr intellektuell, und auch etwas mystisch... Sie kommt auf ausgefallene Ideen, wie Geister zu beschwören... Larry ist so zierlich, dass er mich immer an einen Humunkulus erinnert, oder ein Engel... Seine Freunde in Russland nennen ihn Seraphin. Er ist hier damit er nicht ins Militär muss... Das russische Militär ist bekannt für seine letalität. Larry und Long Linglan sind zusammen, alle wissen es, aber sie tun noch immer so, als wäre es ein Geheimniss. Und dann ist da noch Sasha, die Luis auch in seinem irrsinnig sexy Pyjama (dass wir aber noch nie gesehen haben) niemals sexy finden wird. Denn lasst mich die Prinzen zitieren: „Denn sie steht nur auf Frauen und er ist leider nur ein Mann.“ Sie erzählt mir immer die neusten News aus ihrem Leben, dass einer richtigen Seifenoper gleicht. So verschieden wir auch sind, wir sind alle Freunde, vielleicht auch Leidensgenossen und helfen uns aus. Egal wie spät es ist, unsere Türen sind immer offen. Eine richtig kleine Familie.

Ja, auch wenn hier die Zimmer klein sind und die Fenster nicht richtig schliessen, auch wenn nach der Suppe mein Zimmer nach Kohl riecht und ich heisses Trinkwasser am Morgen am Ende des Ganges holen muss und auch wenn wir nur von 6 bis 10 und von 12 bis 24 Uhr heisses Wasser haben. Ich würde niemals in einer Wohnung leben wollen. Noch nicht...

Freitag, 13. November 2009

Midthermexam und anderes

Letzte Woche haben wir unsere Halbsemesterprüfungen gschrieben.
Aber bevor ich davon erzähle, hier noch etwas mehr über mein Kuckloch, für Januschka.
Mein super Kuckloch hat nämlich seine Nachteile.. unter anderem kann ich keine Kommentare schreiben.
Also: Ich schrieb über MSN mit einer Kollegin die hier lebt. Ich beklagte mich über alle die Seiten die nicht funktionieren. "Oh!" Sagt sie, "Meine Freundin hat mir eine Seite gegeben, mit der man auf youtube gehen kann." Und sie hat mir die Seite gschickt. Ich habe sie ausprobiert und es hat funktioniert. So kam ich dazu.... Ich weiss ist nicht unglaublich spektakulär.

Zurück zu den Prüfungen. Wir erfuhren etwa eine Woche vorher, dass wir Halbsemesterprüfungen schreiben müssen. Das schien mir etwas knapp...
Doch ich unterschätzte den Wert der kleinen Diktate die wir jeden Tag schreiben müssen. So reichte es am den Montagabend mit Lernen zu verbringen... Der Montagabend zog sich allerdings in die Länge... es wurde doch Dienstag Morgen. Wie bei fast allen in unserem Wohnhaus. Um zwei Uhr nachts begann es zu schneien. Nicht nur das, es gab auch ein Gewitter, mit Blitz und unglaublich lautem Donner. Habt ihr einmal ein Gewitter mit Schnee erlebt? Ich nicht. Deshalb war ich auch etwas geschockt. Haben die Chinesen es diesmal mit dem Wettermachen übertrieben? Also habe ich meinen PC neu gestartet und gegooglet. Zu meiner Beruhigung schneit es im Norden von Deutschland noch oft bei Gewittern. Also bin ich zu Bett gegangen und habe versucht meine 4 Stunden Schlaf zu geniessen.
Am Morgen habe ich mir eine grosse Flasche extrem starken und süssen Schwarztee gmacht. So habe ich die Prüfung vom Grundkurs Chinesisch geschrieben. Die Lehrerin zeichnete eine Zeitlinie an die Tafel mit fünf Abschnitten. Als ich die Prüfung zum durchlesen zurückblätterte, war dort der erste Fünftel ausgemalt. Kann das sein? War ich wirklich soo schnell? Ich schaute mich um. Der Japaner vor mir war auch schon beim Durchlesen. Die anderen brüteten noch. Ich wollte nicht als erste abgeben, also lass ich alles sehr genau durch.
Nachdem der Japaner und auch ein koreanisches Mädchen abgegeben hatten, gab ich auch ab. Es war halb zehn und ich legte mich ins Bett.
Um 12 ging ich essen und danach: Lernen.
Bis 12 Uhr Nachts, dann ging ich ins Bett. Gesprochenes Chinesisch, am nächsten Morgen, war ein Alptraum. Ich machte tausende von Fehlern und je mehr ich machte, desto nervöser wurde ich natürlich. Doch wenn ich nervös bin lache ich... so das der Lehrer dachte, ich näme die Prüfung viel zu locker. Ich konnte seine Verachtung direkt fühlen...
Dann kam Schreiben, wieder viel zu einfach. An diesem Tag lernte ich nichts mehr. Ich wusste nicht, wie ich mich auf die Hörprüfung hätte vorbereiten können. Es war auch nicht nötig. Hörverstehen war total einfach. Alle Hürden, die wärend dem Unterricht gestellt wurden, z.B. den Unterschied zwischen zh und ch oder ji and qi zu hören, kamen nicht vor.

Am Freitag erhielten wir die Grundkursprüfung zurück. Die Lehrerin in diesem Fach mag mich nicht besonders.
Sie denkt ich sei faul.

Das kam so: Am ersten Tag, als die Schule begann, kam ich mir plötzlich sehr alleine vor. Alle sprachen chinesisch, niemand versuchte mir zu helfen, kurz um es war ein Alptraum. Man schickte mich an eine Prüfung, bei der alle Fragen Chinesisch gestellt wurden. Ich konnte sie nicht lesen! Und niemand sagte mir, ob man bei dieser Prüfung durchfallen könnte, oder ob sie nur wissen wollten, wie fortgeschritten wir waren. Nach der Prüfung nahm mich die Lehrerin mit in ihr Büro. Ich musste Zettel für das Visa ausfüllen, alle chinesisch natürlich. Mir fehlten die 8 Passfotos, die ich hätte mitbringen sollen und dann musste ich noch "sofort" das Schulgeld bezahlen. Und zwar in bar! 14000 Yuan, die höchste Note ist 100 und bar! (hier kommt bald noch ein Foto wie dass dann aussieht.)
Ich war verwirrt und eingeschüchtert. Bat die Lehrerin um tausend Gefallen, natürlich alle in englisch und als sie mich fragte, wie lange ich chinesich lerne, sagte ich 3 Jahre. Sie starrte mich an. Ich erklärte: Es war ein Freifach. Nur 3 oder 2 Stunden die Woche. Sie schüttelte den Kopf... Seit da, denkt sie ich sei faul.

Und dann gab es da noch den Ausflug zum Duftberg. Ein wunderbarer Ort, etwas abegelegen, mit klarer Luft und vielen Ahornbäumen deren Blätter sich im Herbst rot färbten. Natürlich wollte ich das sehen. Und ich wollte nicht alleine gehen. Also fragte ich meine Kollegen. Hiroki meinte aber, das nun im Herbst und gerade an einem Wochenende viel zu viele Leute den Duftberg ansehen wollten. "Wir könnten auch am Freitag gehen.." meinte ich. Wir fragten also die Lehrerin, ob wir alle zusammen den Ausflug machen könnten. "Ich werde es mir überlegen." Erklärte sie. Und sie tat es. Sie fände es zu gefährlich. Nun da sich die Schweinegrippe in Beijing ausbreite, sollten wir nicht noch in öffentlichen Verkehrsmittel lange Strecken zurücklegen. Ausserdem sei ich und Hiroki ja bereits krank.
Aber... ich wollte gehen! Also gingen wir trotzdem. Und es begann zu regenen, es war kalt und auch sonst nicht gerage ein Glückstag.
Als wir völlig durchnässt und müde zu Hause ankamen, wer trat uns in den Weg? Die Lehererin. "Wart ihr auf dem Duftberg?" Fragte sie. Ich nickte beschähmt. "Und wie war es?" - "Es hat geregnet." Ich schaute weg.
Im nächsten Diktat waren dann zwei Zeichen die richtig geschrieben waren rot umkreist.

Als sie die Prüfungen besprach, ignorierte sie mich einfach. Chinesische Lehrer kennen keine Hemmungen die Noten einer Person an alle mit zu teilen. Sie zeigen die Prüfungen guter Schüler herum und erwähnen, wer alles über 90 Punkte hat. Dieses Mal war ich sehr gut, ich war sogar besser als Hiroki, der mit den Schriftzeichen aufgewachsen ist. Aber unsere Lehrerin "vergass" mich einfach.
Das hat mich etwas gekränkt. Denn schiesslich habe auch ich mich angestrengt, um ein gutes Resultat zu erziehlen. Andererseits war ich froh. Ich möchte nicht, dass alle meine Noten wissen. So habe ich wenigstens meine Privatspähre.

Sonntag, 8. November 2009

Schnee












Letztes Wochenende hatten wir Schnee. Laut Freunden ist es das erste Mal seit vier Jahren, dass es in Beijing wieder einmal schneit.
Also haben wir es ausreichend genossen: Natürlich mit einer Schneeballschlacht. Für drei meiner Kollegen war es die erste Schneeballschlacht ihres Lebens und auch der erste Schnee.


Meine Mitbewohnerin aus Vietnam war total aufgeregt. Sie kommte nicht genug Fotos schiessen. Ihren Gesichtsausdruck, als sie herausfand wie kalt Schnee wirklich ist, werde ich nie vergessen. Etwas so normales wie Schnee. Ich selbst kann mich gar nicht mehr daran erinnern, wann ich die weisse Pracht das erste mal gesehen habe.
Es war sehr früh für Schnee und die Bäume waren darauf ebenso wenig vorbereitet wie ich. Ihre voll belaubten Äste brachen und fielen auf die Wege. Und meine Hände schmerzten von dem kalten Schnee, da ich keine Handschuhe hatte.

Aber wir hatten Spass und in meinem Zimmer läuft nun die Heizung.
Nur der Wind zog durch die Ritzen meines Fensters und das tat meinem Rücken nicht wirklich gut. Mein Bett befindet sich nämlich direkt unter dem Fenster.
Als ich es meiner russischen Kollegin erzähle, erfahre ich nicht nur was ich dagegen machen kann, sondern auch einen alten russischen Witz.
In Russland hatten die Menschen nämlich auch zugige Fenster. Damit es nicht so kalt war, stopften sie die Ritzen mit allem was sie nicht dringend zum Leben benötigten. Einmal kam Besuch aus dem Westen und fragte: "Warum sind die Fenster so gestopft?" Die Russen antworteten: "Weil die Fenster Ritzen haben." Da fragte der Besucher: "Warum produziert ihr nich Fenster ohne Ritzen?"... Drauf wussten die Russen keine Antwort.

So habe ich nun die Ritzen meines Fensters mit Klopapier ausgestopft.
Aber nun ist es wieder wärmer geworden. Und vielleicht war das schon aller Schnee für diesen Winter.
Sicher aber wird das Wetter bald wieder kälter und darum habe ich mit eine wunderbare nachtblaue Leinendecke für mein Bett gekauft und warme Handschuhe. Die Handschuhe habe ich im Shopping Center gesehen. Sie waren mit 75 Yuan angeschrieben. Ich bin mich an so hohe Zahlen als Preise noch immer nicht richtig gewohnt. Also habe ich gefunden, dass sei jetzt aber doch etwas teuer. Auf dem Weg nach hause rechnete ich dann um und fand heraus das es bloss etwas mehr als 10 Fr. ist. Also habe ich mir die Handschuhe dann doch gekauft. Und weil ich für dieses Schopping Center eine VIP Karte habe, kosteten sie schlussendlich bloss 45 Yuan und die Verkäuferin packte sie ihn eine herzallerliebste Tasche. Sie ist rosa, mit pinken Blümchen und einer kleinen rosafarbenen Schleife.

Samstag, 7. November 2009

Nun da die Mauer ein Loch hat

Ich habe lange nicht mehr gebloggt.

Ich sah nämlich bis jetzt keinen Weg über die sog. "chinesische firewall" auf meine Blogs zuzugreifen.
Das ich nicht einmal meine eigene Blogs lesen, geschweige denn Schreiben konnte, hat mich natürlich geärgert. Ich konnte es mir auch nicht erklähren. Denn ich kritisiere mein Gastland kaum und habe auch keine Pornographie auf meinem Blog veröffentlicht.
Es gibt aber natürlich Programme mit denen man die firewall umgehen kann. Z.B. Woodpicker, der die Webseiten in Bilddateien umgewandelt durch das System schmuggelt.
Aber sollte ich mich wirklich solchen hier wohl illegalen Mitteln bedienen, um meinen völlig legalen, harmlosen Blog zu besuchen?
Also habe ich mich nicht darum bemüht, diesen Zustand zu ändern.
Aber nun habe ich dennoch ein Kuckloch gefunden. Ich habe es mir nicht beschafft, sondern eher durch Zufall erhalten und da ich es nun mal habe werde ich es auch benutzen.

Seit ich hier in Beijing angekommen bin, hat sich vieles ereignet.
So vieles dass ich kaum alles erzählen kann. Aber ich nehme mir vor, solange ich dieses Kuckloch habe, jedes Wochenende zwei einträge zu verfassen. Einen aktuellen und einen der von meinen bisherigen Erlebnissen erzählt.