Dienstag, 26. Oktober 2010

Endlich Studentin

Die Sommerferien waren zwar lang, aber sehr ausgefüllt. Ich habe eine Wohnung gefunden, bin umgezogen und gleichzeitig noch freiwillig einen Sprachkurs besucht, um mich auf die Aufnahmeprüfung zum Studium vorzubereiten.
Dann kam der 25. August und ich hatte den Kopf so voll von Umziehen und Wortschatz, alles gemixt... Kein Wunder das ich furchtbar nervös und ziemlich sicher war, ich könnte diese Prüfung nie bestehen.

Aber, ich habe sie doch bestanden. Keine Ahnung wie, aber Haubtsache ist, dass ich jetzt drinn bin. In der Uni meine ich, nicht mehr im Vorbereitungskurs, sondern im echten Studium. Ich bin endlich Studentin. :)

Ich studiere 中医 das heisst Chinesische Medizin, viele meiner Freunde sind aber in der 针灸班 der Akkupunktur Klasse, die soll einfacher sein. Meine Mitbewohnerin studiert zusammen mit mir, was sehr praktisch ist, denn wenn ich etwas nicht weiss, oder ein Zeichen verzweifelt suche, dann kann ich sie um Rat fragen.

In meiner Klasse sind etwa 50 Studenten. Wir sind alle Ausländer, die meisten kommen von Korea. Australien, Russland, die Mongolei, Frankreich, Tailand, Japan und Vietnam sind auch vertreten. Und dann gibt es noch drei Schüler, die ursprünglich Chinesen sind, zwei davon haben die Staatsbürgerschaft von England oder Kanada und einer kommt von Hongkong.

Im ersten Semester haben wir keine Wahlfächer und wir müssen jedes Fach besuchen, das auf unserem Stundenplan steht. Ich habe Biologie, Grundlagen der Chinesischen Medizin, Geschichte, Hochschul Chinesisch, Basis Chinesisch, Musik, Sport und Informatik. Eine Lektion dauert 90 Minuten und wir haben sehr lange Pausen.

Ich mag Geschichte und Grundlagen der Chinesischen Medizin. Hochchul Chinesisch ist auch interessant, wir haben eine alten netten Lehrer, der uns Texte über Utopia und Kongzi (Konfuzius) auswendig lernen lässt. Leider ist es auch sehr sehr schwierig, das Textbuch ist voller alter komplizierter Zeichen und die Grammatik komplett anders.
Biologie ist vom Vokabular her schwehr, aber alles ist Repetition. Im Turnunterricht lernen wir eine Kampfkunst und eine Art Qigong. Was meiner Gesundheit sicher gut tun wird. Damit ich die Abfolge der Schläge nicht vergesse habe ich sie in meiner Agenda ind Strichmännchen festgehalten :) Musik hatten wir noch nicht. Aber Informatik ist bis jetzt total langweilig, wir haben zwei Lektionen nacheinander und sind noch immer bei den Grundlagen... Bedinung von Windows Vista und Word... (Ich begann in meiner Verzweiflung Origamiblumen zu falten.)

Wenn ich nicht Schule habe, mache ich zuerst die Aufgaben, versuche dann das Buch zu den Grundlagen der Chinesischen Medizin zu lesen bis ich hoffentlich eines Tages die Lehrerin eingeholt habe und mich auf die Lektion vorbereiten kann. Und wenn ich vom Lesen genug habe, dann lerne ich die Wörte die ich in dem Buch gefunden habe. Vieles Verstehe ich zwar durch den Zusammenhang, doch ich kann es selbst in Chinesisch nicht erklären, geschweige denn aufschreiben. Auch was die Lehrer an die Tafel schreiben ist nicht leicht zu entziffern. Jeder hat seine eigene Handschrift und zB dreipunkt Wasser wie in 河 schreiben sie nicht als drei Punkte, sondern machen bloss einen Strich. Dafür ist das Gefühl des Erfolgs herrlich, wenn ich es mir doch mal gelungen ist eines dieser Hieroglyphen zu enträtseln. Und schön ist es auch zu merken, wie es Tag für Tag etwas besser geht. Ich mehr verstehe und auch mehr schreiben kann. Manchmal schaffe ich es sogar eine Fragen der Lehrer zu beantworten.

Unsere neue Wohnung ist sehr gemütlich, in fünf Minuten sind wir in der Schule und ich koche jeden Mittag und Abend. Leider hat uns jemand die Velos gestohlen. Dabei hatten wir die beiden zusammen gekettet und dann mit einem zweiten Schloss noch um eine Röhre gebunden. Trotzdem sind waren eines Tages beide weg.
Sowas macht einem unglaublich wütend und entäuscht. Denn was kann man machen? Die Velos findet man nie wieder, zur Polizei gehen hilft auch nicht. Man kann vielleicht ein neues Velo kaufen (meines hat etwa 40.- Fr. gekostet, ist ja nicht alle Welt), aber was wenn dann das wieder gestolen wird? Sasha's Velo ist nun schon zum zweiten mal weg... man kann doch nicht immer Velos kaufen und jemand klaut sie dann...
Und eine sichere Methode wie man einen Diebstahl verhindern kann gibt es auch nicht, Schlösser helfen nichts, im Treppenhaus ist es genau so unsicher wie auf dem Parkplatz und wenn man das Velo jeden Tag mit in die Wohnung nimmt, wird es einem vor dem Supermarkt entwendet.
Es ist soo schade, das es Leute gibt die keinen anderen Weg kennen um zu Geld zu kommen als Diebstahl.

Donnerstag, 5. August 2010

Wohnungssuche zum Zweiten

Gestern bei dem schönen Wetter bin ich auf Wohnungssuche gegangen.
Wir müssen nämlich ausziehen, unser Vertag läuft ab und da die Vermieterin die Miete heraufsetzen möchte, haben wir beschlossen uns eine Wohnung zu suchen, die etwas näher bei der Schule liegt.
Wir suchen ein Wohnung, die nicht höher als im fünften Stock liegt, zwei Zimmer oder ein Zimmer und eine grosse Stube hat, es sollte sauber sein und eine gute Küche haben und nicht teurer als 3600 Yuan sein.
Bis jetzt habe ich vier Wohnungen gesehen. Die erste war bloss fünf Minuten weit von der Schule entfernt. Sie war sauber und hatte eine schöne grosse Küche. Aber dafür öffnete die winzige Toilette direkt ins Esszimmer. Es gibt zwei Zimmer, aber eines ist so winzig das darin kaum das Bett Platz hat. Und die Stube und das Esszimmer hatten überhaubt kein Licht.
Die zweite Wohnung war unglaublich schmutzig. Die dritte hatte ein grosses Zimmer, aber nur ein winziges Wohnzimmer und die vierte hatte eine winzige Küche und war ebenfalls nicht so sauber.

Morgen mache ich weiter. Ich versuche mal explizit nach einer Wohnung mit einem Zimmer und grosser Stube zu fragen.

Wettererscheinungen

Es sind Ferien. Die letzten zwei drei Wochen war es so heiss, dass ich mich am liebsten in der (mit schlechtem Gewissen) klimatisierten Wohnung verkrochen hätte. Natürlich gibt es in Beijing wunderschöne Parks mit Seen und vielen schattenspendenden Bäumen, doch bis man diese Oasen erreicht hat, ist man in Schweiss gebaded und die schmutzige Brühe die nur von weitem idyllisch aussieht und mit einem Baden lebensgefährlich Schild versehen ist, bekommt plötzlich so ein verführerisches Glitzern...

Aber Vorgestern hat es geregnet und zwar aus allen Löchern. Als ich um halbeins die Nase aus der Türe streckte um zur Ferienschule zu gehen, war an Fahrradfahren nicht zu denken. Also öffnete ich meinen kleinen gelben Schirm (warum musste ich in der Schweiz einen Schirm kaufen? Die chinesischen Schirme sind nicht nur billger sondern auch grösser, tausendmal schöner und schliessen patenter Weise mit der Innenseite nach aussen.) Mit meinem winzigen gelben Schirm stapfte ich also mutig hinaus auf die Strasse. Oben blieb ich trocken, aber meine Schuhe plus 20cm Rocksaum waren sofort gewaschen. Ich winkte ein Taxi. Der junge Fahrer sah vertrauenswüdig aus und verstand sogar meine chinesischen Richtungsangaben. Er müsse zuerst geradeaus und über zwei Bächlein fahren. "Aber im Moment hat es überall Bäche..." meinte ich noch und wir lachten. Obwohl das Unwetter die Stadt abgekühlt hatte, war das Taxi eiskalt gekühlt und netterweise richtete der Fahrer die Klimaanlage noch so ein das speziell meine nassen Füsse angeblasen worden. So fuhren wir über Bächlein und durch Pfützen. Beijing ist nicht für Regen gebaut worden. Das Wasser kann kaum ablaufen. Aber der Fahrer kümmerte sich nicht um die Pfützen, mutig fuhr er mitten hindurch. Die Fontänen die das gab waren sicher einen Meter hoch und wehe dem der gerade daneben stand. "Gut, bin ich nicht mit dem Fahrrad gegangen."
Am Abend war der Regen schon wieder versiegt. Es war kühl und ich machte mich auf den langen Weg zur U-Bahnstation. (Das Taxi hatte etwa 20 Yuan gekostet und war somit genauso teuer wie eine meiner Schulstunden.)

Gestern aber war ein Tag wie im Bilderbuch. Es war angenehm warm, ein lauer Wind wehte, die Sonne schien, der leuchtendblaue Himmel war zu sehen und übersäht mit herzigen kleinen Wölkchen und plötzlich sahen alle Häuser aus wie neu, oder aber romantisch zerfallen. Die Bäume die überall gepflanzt wurden leuchteten in ihrem sauberstem Grün, ja es schien mir als würden sogar die Ampeln zur Feier des Tages für mich auf die selbige Farbe stellen.

Schade das sich heute schon wieder einen leichten grauen Film über den Himmel gezogen hat. Mir ist aufgefallen, das diese Smogdecke wie ein Treibhaus wirkt. Darunter wird es sofort heiss.

Dienstag, 6. Juli 2010

Lernen auf chinesisch

学习 xuexi, das heisst "lernen" auf chineisch. Es wird meistens zusammen mit 努力 nuli, was fleissig heisst, 勤奋 qinfen = plichtbewusst, oder mit 认真 renzhen = ernsthaft, zusammen verwendet. Der Kanon der Schüler heisst dann : 学习,学习,努力学习.

Wärend eines Semesters kann man 预习 yuxi = vorbereiten 课文 kewen = die Lektion. Ja, man sieht sich die Lektion an bevor man sie in der Klasse bespricht, lernt die Wörter und liest den Lektionstext um sich schon einmal damit vertraut zu machen. Hätte man mir in der Schweiz gesagt ich würde einmal eine Lektion vor der Stunde anschauen und dass auch noch sinnvoll finden, hätte ich wohl bloss gelacht. Und dich ist es so. Ich habe, wie alle meine Mittschüler, die Wörter gelernt, den Text gelesen und die Grammatikerklärungen studiert. Und es macht Sinn. Da man das was man selbst versteht besser behalten kann und zudem im Unterricht mehr Präsenz zeigen kann.

Dann gibt es noch 做 zuo = machen, 练习 lianxi = Übungen. Das kennen wir schon. Diese vielen Übungen, in denen man die Gramatik repetiert, oder entlich begreifft, oder sieht, dass mas sie noch nicht begriffen hat und man es sich noch einmal erklären lassen sollte.

Und schliesslich fast das wichtigste: 复习 fuxi = repetieren. Wehe dem der vergisst, die vielen Zeichen und Wörter nicht schon jeden Monat zu repetieren, sondern sich alles bis kurz vor der Prüfung aufhebt. Er beschehrt sich schlaflose Nächte voller Verzweiflung, wenn die Augen einem zufallen und die Zeichen auch nach zehnmal kopieren noch immer nicht in den Kopf wollen.

Berühmt ist China ja vorallem für 背 bei = auswendig lernen. Dazu gibt es zweierlei zu sagen. 1. Vokabeln lassen sich nun einmal nicht anders lernen. 2. Ja, auch die meisten anderen Inhalte für Prüfungen können auswendig gelernt werden. Es hindert einem aber niemand daran, wenn man die Zusammenhänge auch begreifen möchte. Diese sind in der Chinesischen Medizin allerdings oft ziemlich kompliziert und schleierhaft. Es braucht Übung, Geduld und Erfahrung um diese Schleier zu lüften. So ist es nicht schlecht, wenn man die Theorie abrufbar im Kopf hat. Über kurz oder lang erlebt man dann etwas, dass es plözlich Klick machen lässt.

Wenn man also brav jeden Tag die Hausaufgaben macht, 预习,做练习 und nicht vergisst auch etwas 复习 zu machen. Dann ist auch die 考试 kaoshi = Prüfung, nicht ganz so schwer wie man es sich vorgestellt hat und man kann sich entlich in die 暑假 shujia = Sommerferien stürzen. Fast zwei Monate süssen.... Halt! Ich bin in China. Es gilt nicht alle Schriftzeichen zu vergessen und nicht zu vergessen 预习. Die Bücher für das Studium anzusehen und alle Wörter die ich nicht kenne vorsichtsheitshalber einmal zu lernen.
Aber es ist 30° Cel. und dass bloss weil es bewölkt ist, wenn die Sonne scheint sind es über 40°. Also werde ich auch etwas Zeit mit 冰淇淋 bingqiling = Glace, essen verbringe. Und nach diesem Lernmaraton etwas mehr Blogeinträge schreiben. Bis ich am 25. August die Aufnahmeprüfung fürs Studium schreibe.

Freitag, 25. Juni 2010

Wiedermal ein Update

Es ist Samstag. Ich sitze alleine zuhause und sollte:
1. Wörter und Grammatik büffeln.
2. Olivenöl, Eier, Mehl und andere Kleinigkeiten einkaufen.
3. Wieder einmal den Boden aufnehmen, den Tisch abwischen und den ewigen Abwasch erledigen.

In einer Woche, am 5. und 6. Juli haben wir Abschlussprüfungen.
Wer:
1. Den Sprachlernkurs ein ganzes Jahr besucht hat,
2. das ganze Jahr nicht mehr als 10% geschwänzt hat und
3. in jeder Prüfung mehr als 85 Punkte macht
bekommt von der Schule 12000 Yuan.
In meiner Klasse gibt es nur zwei, welche die beiden ersten Punkte erfüllen. Ich bin eine davon. 12000 Yuan sind ganz schön viel, in China zumindest. Darum habe ich mir vorgenommen zumindest zu versuchen das Geld zu gewinnen. Die Beste möchte ich sowieso sein. Aber 85 Punkte sind auch relativ viel. Darum sitze ich alleine zuhause.

Das ist zumindest ein Grund. Der andere ist, das meine Mitbewohnerin bei ihrer Freundin ist.
Ich habe noch immer keinen Freund. Als hätte ich im Moment auch bloss eine Minute Zeit dazu...
Dennoch, seit ich QQ, das chinesische MSN habe, hätte ich eigentlich Auswahl.
Musste aber schon bald feststellen, das es nicht so einfach ist.
Laut Chinesinnen suchen die chinesischen Jungs Freundinnen wie folgt:
1.sehr dünn
2.nicht zu klug
3.leicht beeinflussbar
4.sehr lieb

^^' Das bin nicht ich. ^^'

Also schreibe ich bloss am Abend etwas QQ, um mein Chinesisch zu verbessern, bin aber vorsichtig und gebe keine Auskunft über meine Schule, Wohnort und sonstiges. Und ich hoffe... das es auch in China ganz viele Ausnahmen von der Regel gibt.

Wir haben noch immer keine Mitbewohnerin gefunden. Und die Zettel, die wir ausgehängt hatten, haben die Hauswarte des Schülerwohnheims einfach abgehängt. Sie wollen nicht, dass zu viele Schüler ausserhalb der Schule wohnen. Dabei haben sie gar nicht genügend Plätze...
Ich glaube wir hängen einfach wieder neue Zettel auf. Diesmal kopieren wir sie und wenn abgehängt werden, hängen wir wieder einen Neuen auf. Wir brauchen einfach eine Mitbewohnerin! Ich will hier nicht ausziehen, es ist eine tolle Wohnung.

Bald sind Ferien. Eveline kommt mich besuchen und ich freue mich wie wahnsinnig. Das wird sicher eine grossartige Zeit. Und dann werde ich mich wieder ans Lernen machen, denn wenn ich im September mit dem Studium beginnen möchte, muss ich erst die Aufnahmeprüfung Ende August bestehen. Damit ich in den Ferien auch wirklich lerne und nicht einfach blau mache, wie im Frühling, plane ich, dann an einer Schule die Kurse für die HSK-prüfung anbietet, jeden Tag 2 Stunden zu nehmen. Meine Kollegen machen das auch so. Zu erst habe ich gedacht es sei teuer... aber dann habe ich den Betrag in Franken umgerechnet. Insgesamt sind es knapp 100 Franken. Und wenn ich dafür dieses Jahr mit dem Studium beginnen kann, spare ich ein ganzes Jahr Sprachkursgebühren, also 28000 Yuan, das sind 4510 Franken.

So, damit solltet ihr wieder up to Date sein, darüber was ich hier in Beijing so erlebe.
Und jetzt mache ich mich ans einkaufen, und lernen...

Dienstag, 25. Mai 2010

Wohngemeinschaft

Natürlich habe ich gewusst, dass das Leben in einer Wohngemeinschaft manchmal kompliziert ist. Aber ich habe gedacht, dass mit guter Kommunikation die meisten Problem lösbar sind.
Anscheinend lag ich falsch. So will Larry nun ausziehen. Er sagt, es liege an dem langen Schulweg, and der Grösse seines Zimmers und daran, das er unabhängiger sein möchte. Aber da er sich ein Zimmer im Ostcampus sucht und der Weg von da zur Schule noch länger ist... werde ich den Gedanken nicht los, dass er einfach von uns zwei Weibern wegrennen will. Das wäre mir ja egal. Aber das er es uns kurz vor dem Tag an dem wir die zweite Miete zahlen mussten gesagt hat, nervt.
Jetzt herrscht in unserer Wohnung eisernes Schweigen und wir suchen eine neue Mitbewoherin. Aber wir sind vorsichtiger geworden. Wie findet man eine Mitbewohnerin, der man vertrauen kann? Wie gross ist unsere Menschenkenntnis?
Eine Freundin die in Frage kommt ist Satchina, sie kommt aus Japan, ist still und freundlich, möchte eigentlich lieber Mangaka werden, statt Medizin studieren und sie hat einen Freund. Das ist der Haken. Satchina ist ernsthaft und studiert fleissig, doch ihr Freund erscheint kaum im Unterrict, trinkt viel zu viel und raucht wie ein Schlott. Es stört mich nicht, wenn die beiden zusammen sind, aber es würde mich sehr stören, wenn er sich ebenfalls hier einquartieren und auch hier drinn rauchen würde.
Aber ich denke, wenn Satchina wirklich mit uns zusammen ziehen möchte, dann wird sie dass verstehen.
Wenn nicht, dann müssen wir wohl oder übel eine Notiz aufhängen und hoffen das sich Jemand nettes darauf meldet.

Samstag, 1. Mai 2010

Elektrizität

Eine eigene Wohnung zu haben ist sehr viel einfacher, als ich es mir vorgestellt hatte.
Zumindest in Beijing. Die Kosten für Strom, Gas und Wasser werden nach einem Prepaidprinzip beglichen. Wir haben Karten, die in der Bank aufgeladen werden.
Wasser ist sehr billig. Vermutlich weil es auch nicht sauber ist. Trinkwasser kaufen wir in grossen Flaschen, die auf einen Wasserständer passen. Gas brauchen wir zum Kochen und zum Heizen. Aber da unsere Pfannen nicht für den Gasherd gemacht sind, koche ich noch immer mit meiner Singelhaushalts-Induktionsherdplatte.
Weil jeder von uns einen Laptop hat, ist die Elektrizität unser grösster Kostenpunkt.
Heute... am 1. Mai... hatten wir gerade noch 18 kwh übrig.
Morgen ist Sonntag, dann sind sogar in China die Banken geschlossen. Heute Abend würde ich gerne eine warme Dusche nehmen.
Also muss schnell Strom her.
Die Bank... ist natürlich geschlossen, es ist der 1. Mai.
Aber die Bank nebenan ist offen.
"Kann ich hier Strom kaufen?" Die Frau schüttelt den Kopf. "Ich brauche aber dringen Strom."
"Versuche es doch bei einer anderen Bank... oder bei der Stromfirma selbst." Sie ruft an und erkundigt sich ob die Bank und die Firma heute offen sind. Nach einer gefühlten Ewigkeit zeigt sie mir den Weg.
Ich hole mein Velo und los gehts. Die Bank ist offen, aber: Strom kann man hier bloss mit Kreditkarte kaufen. Ich habe natürlich keine...
Die nächste Bank sei gleich in der nächsten Strasse. Ich mache mich also auf den Weg dort hin.
Ja, die Bank ist offen, doch als ich meine Stromkarte zeige, lacht die Frau bloss. Nein, hier könne man keinen Strom kaufen. Ich solle es doch mal bei der Bank in der Wanfujingstrasse versuchen.
Ich finde die Bank sofort. Doch... sie ist geschlossen.
Etwas entmutigt entscheide ich mich wieder zurück zu gehen und diesmal die Stromfirma zu suchen.
Mittlerweile ist es sehr warm geworden, kaum zu glauben, dass es am Montagmorgen mit kaum 5° Cel. so kalt war, dass ich mir eine Erkältung geholt habe. Jetzt strahlt die Sonne und der Wind ist trocken und heiss. Warum habe ich bloss meine Sonnenbrille zu hause gelassen?
Plötzlich sehe ich eine Filiale eben jener Bank, bei der ich in der Wanfujingstrasse vor verschlossener Tür gestanden bin. Die sieht aus als wäre sie geöffnet. Ich stelle mein Rad ab und trete ein. Ohne viel Hoffnung schaue ich mich um. Schliesslich frage ich den Wächter an der Tür ob er wisse wo ich hier Strom kaufen könne. Er lacht und weisst mich in eine Schlange. Ich warte.. versuche die Schriftzeichen vor diesem Schalter zu entziffern. Einige kenne ich, doch sie machen nicht viel Sinn.
Plötzlich kommt der Wachmann wieder zu mir. Er weisst auf den Schalter nebenan, der gerade frei geworden ist. Ich zeige meine Stromkarte. Ja ja, hier könne man Strom kaufen. Wie viel ich denn wolle?
Ich kaufe Strom für 200 Yuan. Es ist viel einfacher als ich befürchtet hatte.
Auf dem Weg nach Hause kaufe ich mir ein Eis.
Als ich zu Hause angekommen gleich dem Strom auflade, kommt mein Nachbar heraus. "Ah du lädst den Strom auf?" Ich nicke.
"Gut, du musst aufpassen dass die Anzeige nie auf Null geht." Ich verstehe nicht ganz was dann passieren würde, aber die Gestik ist deutlich genug um zu verstehen, dass ich das nicht geschehen lassen will. Ich nicke wieder.
Larry, der mir die Tür öffnet sieht schon an meinem Lächeln und meinem Eis, dass ich ihn vor der Gefahr kalt Duschen zu müssen gerettet habe.
Ich erzähle meine Geschichte und werde als Heldin gefeiert....